Premiere

9 09 2011

Vor der Entwicklung analogen Filmmaterials hatte ich mein Leben lang größten Respekt. Und gleichzeitig war das eine Fertigkeit, die zu erlernen seit Jahren mein Ziel war. Mein Fotohändler leistete diesem Wunsch noch Vorschub, indem er mir vor zwei Wochen einen Film, den ich ihm zum Entwickeln anvertraut hatte, total versaute. Spätestens nach diesem Erlebnis wurde mein Vorhaben konkret.

Das erforderliche Equipment war schnell bestellt und die Beschaffung des benötigten Rohmaterial in Form belichteter Filme stellte kein ernst zu nehmendes Hindernis dar.

Heute war nun die Premiere. Die Chemie war – den Ratschlägen der Experten folgend – bereits einen Tag vorher angesetzt worden. Nun wurde es ernst. Eine Checkliste half mir, den Überblick zu behalten und die Flaschen mit Entwickler, Stopper, Fixierer und Härter standen in der Reihenfolge ihres Einsatzes bereit.

Die Trockenübungen im Wechselsack waren Erfolg versprechend verlaufen und so gab es auch heute keine nennenswerten Probleme damit, den Film im Dunkeln aus seiner Patrone zu befreien und in die Spule des Entwicklungstanks einzufädeln. Dann stand er vor mir, der lichtdicht verschlossene Tank mit dem Film.

Noch ein Blick auf die Checkliste, auf der die Entwicklungszeit des Films notiert war, dann die Stoppuhr programmiert und rein mit dem Entwickler in den Tank. Umrühren, Kippen, Klopfen, alles im Minutentakt und endlich kündete die Stoppuhr das Ende der ersten Phase an. Jetzt dürfe der Film endlich ans Licht.

Stopper, Fixierer, Härter – und immer wieder der bange Blick auf die Liste, um ja nichts falsch zu machen.

Dann noch ausführlich wässern und endlich war der lang ersehnte Moment da: Ich stanzte die Klammer in das Ende des Filmstreifens und rollte ihn vorsichtig aus der Spule. Dann hielt ich ihn in der Hand: Meinen ersten selbstentwickelten Film. Vorsichtig trug ich ihn ins Bad und hängte ihn zum Trocknen auf die vorbereitete Leine.

Es war geschafft. Ich hatte tatsächlich meine ersten Film selbst entwickelt. Und ich hatte ihn nicht versaut, sondern die fotografierten Bilder sind tatsächlich erkennbar. Ich hatte mit vielem gerechnet, doch der Film sah aus wie aus dem Labor.

Nach zwei Stunden war er trocken und konnte in den Scanner gelegt und auf dem Rechner gespeichert werden.

Für mich war es ein unglaublich intensives Gefühl, das, was ich fotografiert habe, mit Leben zu erfüllen. Das latente Bild in die Realität zu holen. Fast wie Geburtshilfe. Und dieses Erfolgserlebnis werde ich mir in Zukunft öfter verschaffen können.

Henriettenstift

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6 responses

9 09 2011
Erfolgserlebnisse « provinznotizen

[…] beschäftigt, meinen ersten Schwarz-Weiss-Film selbst zu entwickeln. Heute war nun endlich die Premiere. Und sie ist […]

10 09 2011
Axel Schulze

Wow, Tonwerte ohne Ende! DAS nenn ich mal einen Kontrastumfang! Respekt! Auch die Bildgestaltung kam nicht zu kurz! Verglichen mit den „alten Meistern“ steht das in nichts nach! Ein „früher Schulze“ auf dem Weg nach ganz oben! 😉

10 09 2011
provinzler

Nu übertreib mal nicht so 🙂

10 09 2011
Axel Schulze

Vielleicht siehst Du das nicht, aber in dem Bild stimmt einfach alles! Tonwerte, Bildgestaltung, Blickführung, das Bild ist einfach genial! Das muss ich haben! Aber als Handabzug, Barytpapier, Passepartout, Holzrahmen! Borgst Du mir das Negativ mal?

10 09 2011
provinzler

Nun ja, Bildgestaltung und Blickführung sind schon nicht ganz zufällig. Mit dem Negativ können wir ja deine Dunkelkammer einweihen 😉

10 09 2011
Axel Schulze

Das Gleichgewicht zwischen dem dunklen Baum und dem Tisch mit Stühlen! Traumhaft! Hell-dunkel, groß-klein, es stimmt einfach die Balance. DAS ist es, was ein gutes Bild ausmacht! Die subtile Balance zwischen den Akteuren finden. Entweder man hat es, oder man hat es nicht…. Dieses Bild (und damit automatisch der Fotograf) hat es, definitiv!

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